Konferenzbericht der Fachtagung DIE WELT ALS BEDROHUNG – Der Ausweg heißt Nachhaltige Entwicklung

Konferenzbericht der Fachtagung 

DIE WELT ALS BEDROHUNG – Der Aus­weg heißt Nach­hal­tige Entwicklung
am 12. – 13. Dezem­ber 2019 im Hotel Diet­rich-Bon­hoef­fer-Haus Berlin

Ver­ant­wort­lich im Sinne des Presserechtes:
» Heinz-Joa­chim Lohmann,
Evan­ge­li­sche Aka­de­mie zu Berlin
» Det­lev Groß,
Minis­te­rium der Jus­tiz und für Europa und Ver­brau­cher­schutz des Lan­des Brandenburg
» Axel von Hoerschelmann,
Ver­ein zur För­de­rung von Wis­sen­schaft und Pra­xis der Media­tion e.V.
» Dr. Kam­biz Ghawami,
World Uni­ver­sity Ser­vice Germany
» Hol­ger Ehmke,
Bun­des­mi­nis­te­rium für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Entwicklung

Mit­schrift: Heike Möller
Redak­tion & Lektorat:
Heike Möl­ler, Harald Melzer
Fotos, Lay­out & Satz: Tat­jana Pott
Erschei­nungs­da­tum: Februar 2020

Konferenzbericht der Fachtagung

DIE WELT ALS BEDROHUNG
Der Ausweg heißt Nachhaltige Entwicklung

EINLEITUNG ZUR FACHTAGUNG

Kon­flikte sind Moto­ren gesell­schaft­li­cher Ent­wick­lung. Deren Bear­bei­tung erfolgt mit Hilfe einer Fülle akzep­tier­ter Regeln. Bricht aber diese Akzep­tanz, weil Gegen­sätze über­wie­gen, Kon­sens ver­lo­ren geht oder die Wahr­neh­mung von poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen sub­jek­tiv als Über­wäl­ti­gung emp­fun­den wird, stellt sich für den Ein­zel­nen die Frage:
Was tun? 

Brin­gen uns Google, Wiki­pe­dia, Twit­ter und Face­book wei­ter? Das Inter­net infi­ziert und ist gleich­zei­tig asep­tisch. Die Inhalte wer­den zwar von Men­schen gemacht, aber sind in man­cher­lei Hin­sicht „unmensch­lich“. Die soge­nann­ten „sozia­len Medien“ schaf­fen sowohl Raum für nega­tive Ent­äu­ße­rung in der Anony­mi­tät als auch posi­tive Ein­mi­schung in die Poli­tik und Mit­ge­stal­tung der Gesellschaft. 

Aber tat­säch­lich „sozial“ ist nur, was Men­schen ver­bin­det. Des­we­gen ist es wich­tig, dass wir nicht nur auf das Inter­net set­zen, son­dern tat­säch­lich Begeg­nung zur Aus­ein­an­der­set­zung orga­ni­sie­ren: Auge in Auge ohne Scheu­klap­pen. Kom­mu­ni­ka­tion ist der dau­er­hafte Anspruch, uns Men­schen als Sub­jekte und Bewe­ger von gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen zu erkennen. 

Als Hilfs­mit­tel soll uns das Inter­net dazu will­kom­men sein. Ein Ersatz zum direk­ten Aus­tausch in einer Demo­kra­tie ist es nicht und es bedarf auch immer wie­der neuer Vor­bil­der aus Gesell­schaft und Poli­tik, damit eine anspruchs­volle Infor­ma­ti­ons- und Bil­dungs­ar­beit auf Dauer gelin­gen kann. In der Demo­kra­tie muss Mei­nungs­füh­rer­schaft mit Argu­men­ten erkämpft wer­den. Wir dür­fen diese nicht extre­men Popu­lis­ten über­las­sen und damit unsere eige­nen Grund­la­gen zerstören. 

Die Wahr­neh­mung der „Welt als Bedro­hung“ blo­ckiert die Dia­log­be­reit­schaft über not­wen­dige gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen, weil sie davon aus­geht, dass die Pro­bleme immer bei den ande­ren lie­gen und das Eigene ohne die ande­ren bes­ser funk­tio­niert. Dabei wird völ­lig igno­riert, dass eine Her­aus­lö­sung aus inter­na­tio­na­len Zusam­men­hän­gen weder mög­lich noch wün­schens­wert ist. Ganz im Gegen­teil: nur in enger euro­päi­scher und inter­na­tio­na­ler Koope­ra­tion und Diplo­ma­tie kann unser aller Wohl­erge­hen, kön­nen deut­sche Inter­es­sen in vor­aus­schau­ende Kon­flikt­lö­sungs­stra­te­gien ein­ge­bracht und gewahrt werden. 

Eine Glo­ba­li­sie­rungs­de­batte, die zum Schü­ren von Ängs­ten genutzt wird, u.a. durch die Ver­ab­so­lu­tie­rung auch berech­tig­ter natio­na­ler Inter­es­sen, zer­stört die mul­ti­la­te­rale Welt­ord­nung im Namen eines ver­meint­lich gebo­te­nen natio­na­len Pro­tek­tio­nis­mus‘, der nicht Kon­trolle zurück­ge­winnt, son­dern Gemein­sam­kei­ten aus­höhlt und zer­stört. Diese Ent­so­li­da­ri­sie­rung der in den letz­ten 75 Jah­ren sich auf­bau­en­den Wer­te­ge­mein­schaft einer – zumin­dest ange­streb­ten – demo­kra­ti­schen Welt­ge­mein­schaft stellt sich gegen den Geist aller UN-Nachhaltigkeitsziele. 

Diese Fach­ta­gung hat Men­schen mit Ver­ant­wor­tung für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ar­beit, unter­schied­li­chem Know How und dem Inter­esse an direk­tem Aus­tausch zusam­men­ge­führt. Wir bedan­ken uns bei den Impuls­ge­bern für den fach­li­chen Input und bei allen Teilnehmer*innen für die vor­be­halt­lose Aus­ein­an­der­set­zung damit. In unkla­rer Lage Ver­ant­wor­tung für die eigene Spra­che – etwa Klar­heit, Wert­schät­zung des Ande­ren, Ent­schleu­ni­gung – zu über­neh­men ist ein Mit­tel, „Par­tei zu ergrei­fen“, damit wir der Umset­zung und Unter­set­zung der UN-Nach­hal­tig­keits­ziele gerecht wer­den und gefühl­ten oder tat­säch­li­chen Bedro­hun­gen ent­ge­gen­wir­ken können. 

Heinz-Joa­chim Loh­mann, Axel von Hoer­schel­mann, Dr. Kam­biz Gha­wami, Hol­ger Ehmke, Det­lev Groß (Steue­rungs­gruppe)

Konferenzbericht der Fachtagung DIE WELT ALS BEDROHUNG – Der Ausweg heißt Nachhaltige Entwicklung
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Resümee

Lern­pro­zesse und Wille zu Ver­än­de­run­gen wer­den vor­nehm­lich durch Kata­stro­phen in Gang gesetzt. Umso dring­li­cher ist es heute, bevor die zu erwar­ten­den Bedro­hun­gen auf­grund des Kli­ma­wan­dels auch hier­zu­lande mit aller Wucht ankom­men, das Bewusst­sein und Ver­ständ­nis für nach­hal­ti­ges Zusam­men­le­ben zu schär­fen. Um die not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen auch in der deut­schen Gesell­schaft anzu­sto­ßen, set­zen die Nach­hal­ti­gen Ent­wick­lungs­ziele der Ver­ein­ten Natio­nen den glo­ba­len Rah­men. Wie aber kön­nen diese kom­ple­xen Pro­zesse in die Gesell­schaft kom­mu­ni­ziert werden? 

Es geht nicht ohne genera­ti­ons­über­grei­fende För­de­rung ent­spre­chen­der Bil­dungs­an­ge­bote in ein­fa­cher bis kom­ple­xer Spra­che auf allen Aus­bil­dungs­ebe­nen. Flan­kiert wird dies durch eine Streit­kul­tur, die wir erst wie­der neu ler­nen müs­sen. Unter­schied­li­che Mei­nun­gen zu haben hat etwas Krea­ti­ves und Kon­struk­ti­ves, das in unse­rer schnell­le­bi­gen Welt aus dem Sicht­feld zu gera­ten scheint. 

Die digi­ta­len Medien beschleu­ni­gen diese Pro­zesse auf der Ober­flä­che. Das tie­fere Ver­ständ­nis ist manch­mal nicht ein­mal mehr der blo­ßen Kennt­nis gewi­chen. Im aku­ten Kri­sen­fall lösen die digi­ta­len Medien ein regel­rech­tes Rudel­ver­hal­ten aus, das die Men­schen schlech­ter agie­ren lässt und gute Poli­tik erschwert. Dem gegen­über ste­hen posi­tive Erfah­run­gen mit digi­ta­len Medien, etwa wenn sie ver­ant- wort­lich ein­ge­setzt und mode­riert werden. 

Um nicht jedem Hype auf­zu­sit­zen, müs­sen wir erst ein­mal einen Schritt zurück­ge­hen, um zu uns selbst zu fin­den. Denn erst wenn wir wis­sen, wie wir mit unse­ren Emo­tio­nen umge­hen, die unse­ren Kör­per und Geist steu­ern, kön­nen wir Ver­trauen auf­bauen und wie­der zusammenkommen. 

Wir brau­chen die Ein­sicht und das Ver­trauen dar­auf, dass unsere Demo­kra­tie längst noch nicht an ihre Grenze gesto­ßen ist, weil die popu­lis­ti­schen Strö­mun­gen von rechts schein­bar in der Mitte der Gesell­schaft ange­kom­men sind. Wir brau­chen auch nicht zwangs­läu­fig eine neue Ethik, son­dern die Wert­schät­zung des bis­her erreich­ten – auf der Grund­lage unse­rer frei­heit­lich demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung. Die­ses klein zu reden oder gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len, unter­höhlt nicht nur das „Leben und leben las­sen“ in einer auf­ge­klär­ten Gesell­schaft. Es beför­dert Gleich­ma­che­rei und ver­hin­dert Fortschritt. 

Es bleibt die Kern­frage: Wie kann das bis­her Erreichte sicht­ba­rer gemacht und in Zusam­men­hang gebracht wer­den mit unse­rem guten Leben von heute? 

Einige Ant­wor­ten für eine ver­bes­serte Kom­mu­nika- tion haben sich herauskristallisiert:

  1. Klare Über­schrif­ten in unse­rer Kom­mu­ni­ka­tion zu set­zen. 
  2. Die eigene kon­zep­tio­nelle Rat­lo­sig­keit über­win- den durch kon­struk­ti­ven und krea­ti­ven Dialog. 
  3. Mit­ein­an­der und nicht über­ein­an­der reden und dabei Pro­bleme auf­zei­gen, um nicht den zer- stö­re­ri­schen Kräf­ten mit unse­rem Schwei­gen Vor­schub zu leis­ten. 
  4. Dinge beim Namen nen­nen, wei­ter­den­ken und Kon­se­quen­zen fol­gen las­sen. 

Dazu haben diese Kon­fe­renz und ihre Teil­neh­men- den einen wert­vol­len Bei­trag geleistet. 

Heike Möl­ler